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20.02.2011. 10:50
Heute, am 20.2.2011, ist der 4. Todestag von Heinrich Neubauer - ein guter Anlass, dieses Mannes zu gedenken, ohne den Marlene Neubauer-Woerner zweifellos nie die Bildhauerin geworden wäre, die wir heute kennen. In ihrer fast 65-jährigen Ehe war es Heinrich Neubauer, der der Künstlerin den Freiraum und die Sicherheit verlieh, die sie für ihre Arbeit benötigte.
Am 31.7.1914 geboren, verbrachte er seine Jugend in Erlangen. Nach dem Abtitur mit dem sagenhaften Notenschnitt von 1,0 wurde sein Leben erst einmal von Arbeitsdienst in Ostpreussen, Wehrpflicht und anschließend vom Russlandfeldzug bis 1943 bestimmt. Dazwischen begann er sein Studium der Elektrotechnik bei Piloty in München. 1937 lernte er die Akademiestudentin Marlene kennen, für die er als guter Geiger eine Hindemithsonate auf einer feinen Gesellschaft spielte. Die Gäste waren über diese "Katzenmusik" entsetzt und viele verliessen den Raum. Marlene aber blieb und so wurden die beiden langsam ein Paar.
1942 heirateten die beiden mitten im Krieg, den Heinrich Neubauer sicher nicht überlebt hätte, wenn ihn sein Freund Karl Appelsmeier nicht aus dem Krieg geholt hätte. Dazu fälschte die junge Künstlerin die Unterschrift ihres Mannes auf dem UK-Stellungsantrag, da Heinrich Neubauer sich geweigert hatte zu unterschreiben. Er könne seine Kameraden nicht im Stich lassen. Sein Nachfolger in Russland fiel zwei Wochen nach seinem Dienstantritt.
Das junge Paar wurde ausgebombt, zog vorübergehend nach Bernried und kam 1946 wieder nach München zurück. Heinrich Neubauer, nun diplomierter Ingenieur, konstruierte einen Brennofen in dem die ausgebildete Keramikerin Weihwasserkessel und Madonnen brannnte, die sie auf dem Land zum hamstern für Nahrungsmittel nutzte.
1947 wurde ihr (einziges) Kind Rainer geboren. Die schwierigen Nachkriegsjahre endeten für die Familie erst, als Heinrich Neubauer 1953 als technischer Hilfsarbeiter ins deutsche Patentamt eintrat. Später wurde er dort Prüfer und beendete seine Karriere als Senatspräsident (vorsitzender Richter) am Bundespatentgericht. Die Karriere ihres Mannes sorgte dafür, dass Marlene Neubauer-Woerner - untypisch für Künstler - in materieller Sicherheit arbeiten konnte. Der große und anhaltende Erfolg der Künstlerin tat natürlich ein Übriges, die materielle Lage des Paares sorgenfrei zu gestalten. Schon 1960 bauten die beiden das Haus am Blütenring mit Atelier und Garten, das heute Heimat unserer Galerie ist.
In all den Jahren konnte Marlene Neubauer-Woerner trotz aller Zeitgeister und Moden in der bildenden Kunst ihren eigenen Stil weiterverfolgen und entwickeln, nicht zuletzt deshalb, weil ihr Mann sie auch gegen zunehmende Kritik (altmodisch, gegenständlich, hat man heute doch nicht mehr) in ihrer Richtung bestärkte. Wer die damaligen Feuilletons kennt, weiß warum diese Stiltreue nur wenigen Künstlern gelang.
Wenn Marlene Neubauer-Woerner einen Wettbewerb einmal nicht gewann (was erstaunlich selten der Fall war), war ihr Mann meist beleidigter als die Künstlerin selbst. Auch daran erkennt man, wie sehr sich der Techniker mit der Kunst seiner Frau identifizierte. Ungefähr 1988 wurde der arme Heinrich von seinem Sohn dazu verdonnert, das Management seiner Frau zukünftig an einem Computer zu erledigen. Er stürzte sich in diese neue Technik mit großem Einsatz und diesem Einsatz verdanken wir eine umfangreiche Dokumentation zu Leben und Werk der Bildhauerin. Viele Fakten und Bilder auf unserer Website verdanken wir Heinrich Neubauer.
Als Heinrich Neubauer am 20.2.2007 starb, war die Befürchtung groß, dass seine Frau diesen Verlust nicht verwinden wird. Ihre damals bereits fortgeschrittene Krankheit schützte sie jedoch davor und erlaubte ihr, ihre letzten Jahre als fröhliche und liebenswerte alte Dame zu verbringen.